Die Geschichte des Liederkranz


Die Gründer mit Missionar Ferdinand Ernst (links mit Vollbart)
Im August des Jahres 1900 kehrte Missionar Ferdinand Ernst aus dem deutschen Kolonialgebiet Kamerun in sein Heimatdorf Spöck zu einem Erholungsurlaub zurück. Er wurde von der ganzen Gemeinde mit Jubel und Freude in Empfang genommen, denn er war der erste Missionar aus unserer Gemeinde, der von der Basler Mission nach Kamerun entsandt wurde. Gleich nach seiner Rückkehr trug er sich mit dem Gedanken, seine Missionstätigkeit auch in unserer Gemeinde fortzusetzen. Er lud daher die Konfirmanden und die aus der Schule entlassenen Jugendlichen zu einer Gebets- und Singstunde ein. Das gab den Anlaß zur Gründung des Vereins, dem ungefähr 40 junge Männer beitraten. Später traten auch ältere Männer dem jungen Verein bei.
Im Sommer 1901 kehrte Missionar Ernst wieder in sein Tätigkeitsgebiet nach Kamerun zurück. Nun trat an den Verein die Frage heran, soll er weiterbestehen und wenn ja, wer ist dazu berufen die jungen Leute zu führen und zu leiten. In dem damaligen Hauptlehrer Wilhelm Hauer wurde ein neuer musikalischer Leiter gefunden und die Gebets- und Gesangsabende konnten weiter abgehalten werden. Im Jahre 1901 wurde auch eine Mitgliederversammlung einberufen, in der eine Satzung für den Verein beraten und beschlossen wurde. Diese Satzung mußte von sämtlichen Mitgliedern unterzeichnet werden, denn es wurden seinerzeit sehr strenge Maßstäbe angelegt.
Im Laufe der Zeit machten sich aber unter der jungen Sängerschar Strömungen bemerkbar, die darauf abzielten, den Verein auf eine mehr weltliche Basis zu stellen. Daß der Verein auch Volks- und Heimatlieder singen kann, wurde in der Mitgliederversammlung am 2. August 1903 beschlossen. Ab diesem Tag traten dem Verein noch mehr Mitglieder bei, und die Singstunden wurden von der Kinderschule in den Schulsaal verlegt. Schon im Jahre 1904 wurde an einem Gesangswettstreit mit gutem Erfolg teilgenommen. Im Jahre 1909 wurden dann die Gesangsproben vom Schulsaal in den neu erstellten Saal der Wirtschaft "Zum grünen Baum" verlegt, wo bis 1971 die Chorproben abgehalten wurden.
Aus Anlaß des 10jährigen Bestehens wurde unter Beteiligung des ganzen Dorfes am 5. Juni 1910 die Fahne geweiht. Diese wurde von der Firma Kindler aus Karlsruhe in den Vereinsfarben Grün und Weiß und mit dem Spruch "In Freud und Leid zum Lied bereit" geliefert.
Während des 1. Weltkrieges wurden die Chorproben eingestellt und der Dirigent Wilhelm Hauer führte den Verein in Personalunion über die Kriegsjahre weiter. 17 Mitglieder kehrten nicht aus dem Krieg zurück. Mit einer Gedenktafel im Vereinslokal wird diesen und der Gefallen aus dem 2. Weltkrieg gedacht.
Nach dem Krieg wurden die Chrorproben wieder aufgenommen, und der Verein wuchs wieder zu neuer Blüte heran. Die Geldentwertung 1920 bis 1923 machte sich auch im Vereinsgeschehen bemerkbar. Als Kuriosum sei vermerkt, daß der Beitrag für September 1923 200000.- Mark und die Vergütung für den Dirigenten 500000.- Mark betrug.
Der nächste Einschnitt im Vereinsleben war die Zeit des 2. Weltkrieges. Der Verein nahm nur noch an Gedenkfeiern, Trauergottesdiensten und Beerdigungen teil. Im Jahr 1942 vereinigten sich die beiden Vereine "Eintracht" und "Liederkranz" zu einer Chorgemeinschaft, um überhaupt noch bei öffentlichen Anlässen auftreten zu können. Diese Chorgemeinschaft bestand bis zum 19.10.1944, dem Tag des Bombemangriffs auf unser Dorf. Ab diesem Zeitpunkt hörte sämtliche Vereinstätigkeit auf. Aus diesem Krieg kehrten 25 Mitglieder nicht zurück.
In den Jahre 1945 und 1946 waren Bestrebungen im Gange, sämtliche drei Gesangsvereine zu einem Verein zu verschmelzen, diese führten aber zu keinem Erfolg. Daraufhin verpflichtete der Verein im Januar 1947 Herrn Adolf Sailer zu seinem Dirigenten. Nun könnte eine Aufzählung von Feierlichkeiten und Erfolgen bei Gesangswettstreiten erfolgen. Darauf soll verzichtet werden und lediglich auf die gesonderten Seiten der Chorleiter und Vereinsvorstände seit der Vereinsgründung hingewiesen werden.
Bemerkenswerte Änderungen im Vereinsleben erfolgten wieder ab dem Jahre 1980. Zunächst mit der Gründung eines Jugendchores im Jahr 1980. Dieser Chor wurde 1985 in Rhythmus-Chor umbenannt, um auch den etwas "älteren" Sängerinnen und Sängern die Möglichkeit zu geben in diesem Chor weiter zu singen. Am 6.3.1988 folgte dann die feierliche Gründung eines Frauenchores und des Kinder-/Jugendchores. Im Jahre 1995 folgte das Gesangssextett d'Stehkräge die bis 2007 nach Art der "Comedian Harmonists" das Publikum zu verzaubern wusste. Seit 1997 rundet die Guggenmusik Scheiererborzler das musikalische Angebot des Vereins ab. Ebenfalls seit 1997 führt die Wandergruppe des Vereins regelmäßig Wanderungen durch. Die Cheerleader-Tanzgruppen "Red Devils" und "Mini Devils" erfreuten in den Jahren 1998 bis 2013 das Auge.
Die Aktivitäten dieser Vielzahl an Gruppen wurden durch den Neubau eines Vereinsheims vom 4.4.1998 (erster Spatenstich) bis 24.10.1999 (offizielle Einweihung) wesentlich verbessert. So ist das Vereinsheim an jedem Wochentag von mindestens einer Gruppe belegt.